29. September 2026
Veränderung – Was tun, wenn die Angst da ist

Mit angezogener Handbremse durchs Leben gehen: Du funktionierst, du erledigst, aber irgendwo bleibst du stehen. Genau so ging es mir die letzten Monate.

Ich habe über viele Jahre gelernt, wie ein Behandlungsablauf funktioniert. Struktur, die mir Sicherheit gibt. Bei jeder KlientIn läuft es ähnlich ab, das kann ich, darauf kann ich mich verlassen. Trotzdem weiss ich seit langem, dass da noch mehr ist. Ich kann Informationen direkt aus dem Energiefeld eines Menschen lesen. Ich erkenne Blockaden und Zusammenhänge oft, bevor sie ausgesprochen werden. Genau das macht mich einzigartig, und genau davor hatte ich Angst, es öffentlich zu machen und zu zeigen.

Medizinisches Wissen ist messbar und anerkannt. Der energetische, spirituelle Teil meiner Arbeit ist es nicht. Mich damit öffentlich zu zeigen, bedeutete für mich lange: Angst, nicht ernst genommen zu werden. Angst, in die esoterische Ecke gestellt zu werden, obwohl es mir um gelebte Spiritualität geht, um Persönlichkeitsentwicklung, um das Verstehen der eigenen Muster und das bewusste Verändern von Verhalten. Und Angst, dass ich nicht verstanden werde, wenn ich sage, dass körperliche Symptome mit unausgedrückten Gefühlen im Zusammenhang stehen. Dabei weiss ich, dass es sie gibt, die Menschen, die genau so denken wie ich. Nicht die Masse, aber genug.

Diese Angst zeigte sich nicht dramatisch, sondern leise. Unzufriedenheit, Gereiztheit, Müdigkeit. Ich baute mir noch mehr Struktur ein, mehr Sport, mehr feste Treffen, in der Hoffnung, dass sich dadurch etwas löst. Es löste sich nichts. Meine Kreativität wurde kleiner, nicht grösser. Wenn ich Zeit hatte, wusste ich nicht, womit ich sie füllen sollte, ausser mit neuen Verpflichtungen.

Diesen Frühsommer habe ich mich endlich mit Unterstützung an das Thema Soziale Medien für meine Praxis gewagt, ein Thema, das ich jahrelang vor mir hergeschoben hatte. Um dort präsent zu sein, musste ich mich fragen, was ich eigentlich täglich tue und warum. Und plötzlich lag meine Angst offen vor mir. Ich war im Programm drin, die Unterstützung bezahlt, ein Zurück gab es nicht mehr. Also stellte ich mich der Angst, statt ihr wieder auszuweichen. Statt beim ersten mulmigen Gefühl das Notizbuch wegzulegen und einen Kaffee zu trinken, blieb ich sitzen und schrieb weiter, auch wenn mir die Hände zitterten.

Konkret heisst das: Ich habe mir bewusst Zeit eingeplant, die nur diesem einen Thema gehörte. In dieser Zeit gab es nur noch mich und die Fragen, die ich lange vermieden hatte. Was sind meine Fähigkeiten wirklich? Wie zeigen sie sich? Wie fühlt es sich an, wenn ich sie bewusst einsetze? Wie reagieren meine KlientInnen darauf, auch unbewusst? Wer ist meine TraumklientIn? Wie sage ich das laut?

Kaum war diese Angst benannt, kam die nächste. Was, wenn ich mich zeige und dadurch etwas verliere? Weniger Umsatz, für eine Weile weniger Einkommen. Aber die Alternative dazu wäre gewesen, weiterzumachen wie bisher. Noch unzufriedener zu werden. Und das ist keine Basis, auf der ich leben will.

Dieser Artikel ist Teil dieses Weges. Ich veröffentliche ihn ganz bewusst, obwohl er mir Angst macht, weil es kaum persönlicher geht. Aber wie soll ich andere davon überzeugen, dass sich Ängste überwinden lassen, wenn ich es nicht selbst vormache?

Angst ist menschlich, jeder kennt sie, manchmal ist sie berechtigt. Wenn sie aber hemmt und aufhält, so wie es bei mir lange der Fall war, dann ist sie es nicht. Dann kann ich etwas tun. Und die Energie, die in der Angst steckt, in Lebensenergie umwandeln.

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